Buchvorstellung: Grenzgänger – Autobiografische Fragmente

Grenzgänger – Autobiografische Fragmente und der Versuch ihrer Zuordnung, 3. überarbeitete Auflage 2019, BoD-Books on Demand, Paperback und E-Book, ISBN: 978-3-7347-7519-2, 120 Seiten, Preis Paperback: 11,50 €, Preis E-Book: 4,99 €.

Erhältlich in jeder Buchhandlung und bei allen großen Online-Buchhändlern.

Den Impuls, mich erstmals umfassend und im Wortsinn „tiefgründig“ mit meiner von inneren Brüchen, seelischen Verletzungen und Scheitern im „normalen“ Leben geprägten Biografie zu befassen, hatte ich erstmals im Jahr 2016. So kam es, dass „Grenzgänger“ zu meinem allerersten größeren Buchprojekt wurde, an das ich mich im Rahmen einer äußerst intensiven und tiefgreifenden Psychotherapie gewagt habe.

Mich derart gründlich und in seelische Tiefen vordringend, mit meiner für mich selbst äußerst komplexen und nur schwer zu begreifenden Biografie auseinanderzusetzen, war eine große und zugleich wichtige, außerordentlich heilsame Herausforderung und Erfahrung für mich. Denn es war das erste Mal, dass ich mich überhaupt getraut habe, mich absolut ehrlich und über einen längeren Zeitraum hinweg mit meiner eigenen Geschichte zu beschäftigen, um sie zumindest ansatzweise zu verstehen und zu verarbeiten.

Klappentext

Nein, „Grenzgänger“ ist kein Sachbuch, kein Ratgeber und auch keine Autobiografie im klassischen Sinn. Ja, es ist ein unter die Haut gehender, schonungslos ehrlicher, und bewusst fragmentarisch gehaltener, autobiografischer Bericht eines, in einer psychischen Erkrankung gestrandeten Menschen.
Eckhard Neuhoff setzt sich in seinem Erstling auf eindrucksvolle Weise mit den Ursachen und Auswirkungen seiner inzwischen überwundenen psychischen Erkrankung auseinander und zeigt hierbei Wege auf, wie man auch in scheinbar hoffnungslosen Situationen etwas Gutes und Lehrreiches erkennen kann.
In der Rückschau auf die dunkelsten Momente seines bewegten Lebens hat Neuhoff hier etwas entdeckt, das ihm bei seiner fortschreitenden Genesung sehr geholfen hat: tief empfundene Dankbarkeit für alles was war und für das, was ist.
„Grenzgänger“ macht Mut, sich mit den Untiefen des eigenen Lebens auseinanderzusetzen, um gestärkt und gereift daraus hervorzugehen. Wie Phönix aus der Asche.

Leseprobe

Kindheitssplitter und erste Konflikte

Splitter entstehen, wenn Dinge zerbrechen. Geht man unachtsam mit ihnen um, kann man sich an ihnen verletzen. Und sind sie weit verstreut, lassen sie sich auch nicht mehr zu einem Ganzen zusammensetzen; sie bleiben, was sie sind: Bruchstücke.

Die eigene Kindheit und Jugend mit einem solchen Vergleich zusammenfassend zu beschreiben, lässt nichts Gutes erahnen. Und tatsächlich habe ich mich bislang immer davor gescheut, einen allzu intensiven Blick auf diese Zeit zu werfen – aus Angst vor neuen Verletzungen und vor der sprichwörtlichen Büchse der Pandora, die – einmal geöffnet – ihr gesammeltes Unheil unaufhaltsam überall verbreitet.

Auf diese Weise habe ich über zwei Jahrzehnte gelebt oder auch überlebt – mit der festen Gewissheit, eine schöne und harmonische Kindheit gehabt zu haben. Von anderen Menschen ob meiner von ihnen erlebten Andersartigkeit geäußerte Zweifel an dieser schönen Hypothese, wies ich immer mit großer Vehemenz und Empörung und vielleicht auch aus einer undefinierbaren Angst heraus zurück.

Die menschliche Seele verfügt erstaunlicherweise über eine Reihe von Schutzmechanismen, um sich vor zu traumatischen, oder traurigen Erlebnissen zu schützen: Sie blendet sie einfach aus und kreiert eine unbeschwerte Gegenwelt, in der nichts mehr von dem Verstörenden zu finden ist.

Natürlich ist keine Kindheit nur schön oder nur schlecht. Schönes mischt sich mit Schlechtem und selbst quälende Erlebnisse haben manchmal einen gänzlich unbeschwerten Kern. Und so habe auch ich gerade aus den frühen Jahren durchaus schöne und unbeschwerte Erinnerungen an Spielkameraden, mit denen ich ganze Nachmittage durch die Umgebung streifte und kindliche Abenteuer erlebte. Auch erinnere ich mich an schöne Gespräche, wundervoll gestaltete Jahresfeste, unbeschwerte und spannende Familienurlaube, sowie ausgelassene Kindergeburtstage und innige Sandkastenfreundschaften im Kindergarten. Und nicht zuletzt waren da meine beiden älteren Geschwister, von denen zumindest mein Bruder mich nach meiner Erinnerung mit sehr viel Liebe und Aufmerksamkeit bedachte, mir einen Sandkasten baute, mich das Fahrradfahren lehrte und vieles mehr. (…)“