Depression und Spiritualität (3. Teil)

Depression und Spiritualität (3. Teil)

19. September 2022 0 Von Eckhard Neuhoff

Innerer Frieden als Übungsweg

Wenn ich auf die letzten Jahre und Jahrzehnte meines Lebens zurückblicke, dann muss ich mir eingestehen, dass ich ungeheuer viel Kraft und Energie dafür aufgewendet habe zu kämpfen. Zu Beginn meines bewussten Lebens war es hauptsächlich der Kampf um Akzeptanz, um Anerkennung und Gesehen Werden von Außen, geprägt von Schuldgefühlen, Versagensängsten und dem übergroßen Bemühen darum, es anderen Menschen Recht zu machen und um fast jeden Preis zu gefallen. Doch im Lauf der späteren Jahre hat sich mein Kampf zusehends nach Innen verlagert: Ich kämpfte gegen meine Depressionen und um den “richtigen Weg”, mit ihnen umzugehen. Und ich kämpfte (kämpfe noch immer) damit, mich selbst so anzunehmen und zu akzeptieren, wie ich nun einmal bin.

Seitdem ich damit begonnen habe, mich mit Spiritualität zu befassen, hat sich mein inneres Ringen, zunächst unbemerkt von mir, noch einmal verlagert: nämlich dahin gehend, dass ich meine latent noch immer vorhandene depressive Verfasstheit zunehmend als nicht länger akzeptable Schwäche und als überaus lästigen Widerspruch zu meinem starken Wunsch nach Ganzheit und Heilung angesehen habe, die meiner spirituellen Entwicklung vermeintlich im Wege stehen. Gerade in den letzten Monaten ist dieser innere Widerspruch immer deutlicher zutage getreten. Denn ich wollte es für mich selbst, ungeachtet sämtlicher überdeutlicher Signale und Hinweise nicht wahrhaben, dass ich mich seit geraumer Zeit inmitten einer Depression befinde, weil schließlich nicht sein kann, was nicht sein darf.

Nun endlich anzuerkennen, dass meine Depressionen, ungeachtet meiner inneren Weiterentwicklung, noch immer vorhanden sind und mein Leben gravierend beeinflussen, war ein langer und ausgesprochen dorniger Weg, der mich ebenfalls sehr viel Kraft und Überwindung gekostet hat. Denn ich habe mich vor mir und Anderen dafür geschämt. Schließlich war das Vorhandensein von Krankheit für mich ein Zeichen dafür, dass ich schon wieder etwas falsch gemacht, und mich nicht genügend angestrengt und bemüht habe. In den letzten Tagen ist mir immer mehr bewusst geworden, dass ich nicht länger dagegen ankämpfen kann und will. Genauso wenig möchte und kann ich weiterhin gegen mich selbst kämpfen. Damit jedoch einfach so aufzuhören, ist unglaublich schwer. Denn es braucht eine Art “Gegengewicht”, um diese liebgewonnene Gewohnheit aufzugeben. Und es braucht(e) eine ebenso klare wie eindeutige Entscheidung, diesen kräftezehrenden Kampf nun endlich sein zu lassen.

Seitdem ich mich mit Spiritualität befasse, taucht in meinem Bewusstsein immer wieder ein Begriff auf, mit dem ich eine ganz tief empfundene und große Sehnsucht verbinde: “Frieden”. Ich möchte mit mir, so wie ich bin, und mit meinem Leben, so wie es jetzt ist, endlich meinen Frieden machen. Doch was genau bedeutet Frieden eigentlich für mich? Und auf welche Weise kann es mir gelingen, diesen inneren Prozess des mit mir “Frieden Schließens” in Gang setzten? Nicht zum ersten Mal stehe ich vor diesen Fragen. Und es wäre auch nicht das erste Mal, dass ich mir dabei selbst im Wege stehe, weil es mir an Entschlusskraft, aber vor allem an Kontinuität und Geduld mangelt.

Diesen Friedensimpuls in mir fest zu verankern und als selbstverständliche Gewohnheit in mir zu etablieren, bedarf ganz viel Zeit und genügend bewussten Raum in meinem Alltag. Aus diesem Grund nehme ich seit Kurzem diesen Impuls ganz bewusst als regelmäßiges und ständiges Mantra in meine Meditationen: “Frieden in mir!” Und Ich lasse es ohne jeden Druck und ohne die Erwartung eines schnellen, wundersamen Erfolges einfach in mir wirken und warte ab, was in und mit mir im Laufe der Zeit damit geschieht.

Fortsetzung folgt!