Leseprobe “Auf dem Weg”

Metamorphose
Auch du kennst sie, die dunklen trüben Tage
an denen dichter, grauer Nebel dich umgibt,
und jedes Tun, Entscheiden unendlich schwere wiegt,
all deine Freuden, trügerischen Sicherheiten dir entgleiten.

Dein Leben stellst du ganz und gar in Frage,
mit seinem Sinn, der fahlen Hoffnung, die dir nur Angst bereiten.
Du bist allein mit deinen Ängsten, deinen Sorgen,
Vertrauen, Mut, sie sind dir unbekannt.
Und Gegenwart und Zukunft, sie sind Feindesland.
In deiner abgrundtiefen Einsamkeit
ist selbst ein Morgen
unendlich weit.

Erinnerungen halten dich gefangen.
Du fühlst dich schwach und wehrlos wie in einem Traum.
Bestärkendes und Schönes kann kaum zu dir gelangen,
denn du erkennst und siehst es kaum.
Indes dein Herz sich wahrhaft sehnt nach freiem, lichtem Raum.

Doch ist dein inn’rer Kern von all dem nicht erschüttert.
Dein wahres Selbst ist nicht verbittert,
weil es erkennt und weiß, was wirklich zählt,
Gewissheit hat, dass deinem Sein nichts wirklich fehlt,
und flücht’ger Schatten nur dir deine Seele quält.

So gehst du deinen Weg allmählich, Schritt um Schritt
und nimmst vertrauensvoll all die Erinn’rung mit;
lässt sanft von deinen Schatten dich begleiten,
als Teil von dir, damit sie nie mehr Kummer dir bereiten.


Jenseits der Dunkelheit
Mein ungestümes, nicht befreites Denken
möcht’ künftig ich in ruhige, klare Bahnen lenken.
Nicht länger haften mehr an dem was quält
und nicht bedauern mehr was fehlt.

Zu lange war ich tief darin gefangen,
verloren trauernd in Vergang’nem.
In Wut und Sehnsucht tief verstrickt
hab ich zumeist zurück geblickt.

Den Aufbruch hab ich so gescheut
und Manches abgrundtief bereut.
Gehetzt, gequält sucht’ ich nach Frieden,
nicht wissend, was mir hier beschieden.

War in mir selbst gefangen und verloren,
als sei ich ohne Plan geboren.

Zurückgeworfen, ganz allein,
in allergrößter, tiefster Pein.

Und doch ist da ein kleines Licht
im Herz mich wärmend, mit erstaunlich klarer Sicht
auf Klarheit, Frieden, Ganzheit, Glück.
So finde ich zu mir zurück.


Heilungsprozess
Heilung zu erfahren bedeutet,
die eigenen seelischen Narben und Wunden
zu erkennen und zu benennen,
sich ihrer bewusst zu sein,
ohne erneut an ihnen zu zerbrechen.

Auch wenn ihre Betrachtung noch immer schmerzt
und sie die Dunkelheit und Enge des Vergangenen wieder hervorruft,
ist es dennoch ein Akt der Fürsorge und Liebe,
sich ihnen zuzuwenden.

Denn innere Ganzheit, die Verbundenheit mit sich selbst
entsteht und wird Wirklichkeit nur dann,
wenn die Narben und Wunden
als untrennbarer Teil des Ganzen gesehen und gefühlt werden.

Ich bin nicht länger krank, sondern ein Genesender,
zwar gelegentlich strauchelnd und zweifelnd,
aber dennoch klar und unverkennbar auf dem Weg
hin zu mir und zur Quelle, dem Ursprung.

Diese Gewissheit verleiht meiner Seele Flügel,
umhüllt sie liebevoll.
Und mit ihrer Hilfe spende ich ihr Balsam,
der die Wunden allmählich heilen lässt.