Poesie: Die Sprache der Seele

17. Mai 2022 0 Von Eckhard Neuhoff

classic close up draw expensive

Gedichte zu schreiben bedeutet für mich, mich ganz tief mit meinem Innersten zu verbinden und demjenigen aufmerksam nachzugehen, was meine Seele wahrhaft bewegt und was sie mir mitteilen möchte. Besonders in den letzten Monaten habe ich dabei die Beobachtung machen dürfen, dass die meisten Impulse und Eingebungen für ein neues Gedicht durchweg während meiner Meditationszeit entstehen, während ich mich auf dem Weg zur innerer wie äußerer Ruhe und Stille befinde.

Obwohl Sprache generell und in ganz besonders inniger Weise mein Medium ist, und ich  auch im Alltag sehr achtsam und bewusst mit ihr umgehe, ist das Schreiben von Gedichten noch einmal etwas gänzlich Anderes. Denn die Wortwahl, der Klang, der Rhythmus und die Melodie meiner Gedichte unterscheiden sich sehr deutlich von meiner Alltagssprache und selbst von der Ausdrucksweise in meinen Texten. Daher ist die Aussage: “Poesie ist die Sprache der Seele“, für mich in ganz besonderer Weise wahr und zutreffend.

Ungeachtet der äußeren Umstände, die bisweilen ausgesprochen irdischer Natur sind und scheinbar in deutlichem Gegensatz zu der gelöst- friedvollen und klar- harmonischen Stimmung der meisten meiner Gedichte stehen, bin ich beim Schreiben von Poesie zumeist auf eine eben nicht alltägliche, viel innigere und authentischere Weise mit mir selbst und meinen wahrhaftigsten und tiefsten Idealen verbunden. Und immer mehr gelange ich zu der Einsicht, dass die in meiner Poesie häufig angesprochenen und verarbeiteten Themen Frieden, Selbsterkenntnis, Verbundenheit, Liebe und Harmonie allesamt einer Art höherem und nicht dem Alltäglichen verhafteten Bewusstsein entstammen und zugleich einer tiefen, ursprünglichen Sehnsucht danach. Denn während des Schreibens fühle und erlebe ich diese Qualitäten äußerst intensiv und empfinde sie als mir absolut zugehörig. Aber gleichzeitig weiß ich, dass das Geschriebene nur die Momentaufnahme eines ganz besonders innigen und wahrhaftigen Augenblicks tiefster Einsicht darstellt, der sich (noch) nicht auf Dauer in meinen Alltag übertragen und dort halten lässt.    

Auf diese Weise betrachtet, sind meine Gedichte vielleicht eine Art Wegweiser oder Wegbeschreibung hin zu einer Lebensqualität und -weise, in der Innen und Außen tatsächlich miteinander übereinstimmen, anstatt bisweilen miteinander im Konflikt zu sein. So vermitteln sie eine zugleich tröstliche und Hoffnung spendende Ahnung davon, wie ein konsequent bewusstes und wahrhaft befreites Leben sein und sich anfühlen kann. Und ich bin auf dem Weg dorthin.