Vertrauen lernen  und den eigenen Seelenweg gehen

Vertrauen lernen und den eigenen Seelenweg gehen

12. Juni 2022 0 Von Eckhard Neuhoff

Ich vertraue meinem Seelenweg!

Neugeborene Kinder besitzen von Geburt an eine wundervolle Eigenschaft: Urvertrauen. Sie sind mit sich selbst und ihrer Umgebung, ihren Eltern vollkommen im Reinen, und vertrauen ganz selbstverständlich darauf, dass wirklich alles gut ist und die Menschen ihnen per se wohlgesonnen sind. Erst im Laufe ihrer Kindheit und ihres Heranwachsens machen sie die Erfahrung, dass nicht immer alles gut ist und dass es auch Menschen gibt, die ihnen nicht wohlgesonnen sind. Ein liebevolles und intaktes Elternhaus kann diese zunächst verstörenden und verunsichernden Erfahrungen jedoch auffangen und kompensieren, und ungeachtet äußerer Einflüsse, ein festes Grundgefühl von Vertrauen und seelischer Stabilität vermitteln. Erfährt ein Kind jedoch von Früh an auch von seinen Eltern Unsicherheit und wird ihm vermittelt, dass es so wie es ist, eben nicht in Ordnung ist, wird dieses Urvertrauen beschädigt und womöglich unwiederbringlich zerstört. Ich habe als Kind und auch als Heranwachsender nur wenig Liebe, keinerlei Stabilität oder Kontinuität, und noch weniger Vertrauen erfahren, sodass mein Urvertrauen nachhaltig gestört wurde; und mit ihm auch mein Vertrauen in mich selbst.

Dieser Mangel an Selbstvertrauen und innerer Stabilität hat mich Zeit meines Lebens begleitet und dazu geführt, dass ich über Jahrzehnte ein unstetes, von häufigen Niederlagen, unsicheren und instabilen Beziehungen und häufigen Brüchen gezeichnetes und geprägtes Leben geführt habe. Ich wusste nicht, wohin ich gehöre, wo meine tatsächlichen Stärken liegen, und was ich mit diesem Leben überhaupt anfangen möchte. Vollkommen ziel – und orientierungslos habe ich auf diese Weise über Jahrzehnte eher funktioniert und vegetiert, anstatt ein für mich sinnvolles und erfülltes Leben zu führen. Ich war nicht dazu imstande, mir oder anderen Menschen wirklich tief zu vertrauen; geschweige denn, meinen Stärken und Begabungen. Es war mir nicht möglich, in ihnen überhaupt etwas wirklich Sinn -und Wertvolles zu erkennen, dem nachzugehen wirklich lohnenswert ist.

Erst seitdem ich vor wenigen Jahren damit begonnen habe, mich intensiv mit innerer Bewusstseinsarbeit, mit Meditation und Kontemplation zu befassen, und meine Liebe zum Schreiben nicht nur entdeckt habe, sondern sie auch voller Freude und Begeisterung auslebe, hat sich in meiner Seele ganz allmählich ein sehr zartes und noch immer ausgesprochen fragiles Pflänzchen namens “Selbstvertrauen” zu bilden begonnen. Denn in der Beschäftigung mit diesen Themen, von denen ich von Beginn an, zu meiner großen Freude, sehr deutlich gespürt habe, dass sie tatsächlich meine Themen – etwas Ureigenes – sind, konnte ich erstmals so etwas wie Kontinuität und Zielstrebigkeit in mir entdecken und ausleben – ohne mich von Außen daran hindern oder verunsichern zu lassen – wie so oft in meiner Vergangenheit.

Auch wenn es sich womöglich abgehoben oder esoterisch anhören mag: Im Laufe der letzten Jahre bin ich für mich durch verschiedene, sehr besondere Begegnungen immer mehr zu der gewachsenen Überzeugung gelangt, dass es für jeden Menschen eine Art Bestimmung, eine Lebensaufgabe gibt und eine innere Stimme, die uns auf diesem Weg geleiten möchte. Und ich stelle dabei immer wieder fest, wie schwer es mir doch noch immer fällt, diese innere Stimme als solche zu anzuerkennen und ihr deshalb zu vertrauen. Zu oft noch zweifle ich an mir und an ihr. Doch in den letzten Tagen habe ich in meinen Meditationen immer wieder den starken Impuls verspürt, eine klare Entscheidung zu fällen, dieser inneren Stimme zu vertrauen und mich von ihr führen zu lassen, anstatt weiterhin krampfhaft zu versuchen, in sämtlichen Lebenslagen die Kontrolle zu behalten – aus Angst vor Veränderung und zu viel Neuem. Um dieser Angst zu besiegen und mich in diese Entscheidung Schritt für Schritt einzufühlen, begleitet mich seit ein paar Tagen der eingangs erwähnte Satz: “Ich vertraue meinem Seelenweg!” Und ich bin gespannt darauf, wohin er mich führt.